Franz Winzentsen

Bildwerker und Filmemacher

Installationen


1996

KRAFTWERK ODER KREMATORIUM


Der Nachlass des Architekten C.C. Wintersberg

Modell zum Entwurf einer neuen Haupts

 

 

2000

DIE KONFERENZ


In dem Schutt der noch unaufgeräumten Hallen der ehemaligen Schiffsschraubenfabrik von Carl Theodor Zeise in Hamburg-Altona fand ich zwischen den Resten von Gussformen und hölzernen Schiffsschraubenmodellen zehn Handfeger.

Als im Jahr 2000 die Hamburger Filmförderung – die erste Mieterin des Verwaltungsgebäudes der Zeisefabrik – ihr 20 jähriges Jubiläum feierte, konnte ich den Handfegern, denen inzwischen Schnäbel gewachsen waren, in einer kleinen Ausstellung das Forum für eine Konferenz bieten. Obwohl wir ihre Sprache nicht verstehen, rechtfertigt die Tatsache, dass sie zu den letzten Zeugen einer einst erfolgreichen, vielen Menschen Arbeit und Brot gebenden Industrie gehören, ihnen ein Denkmal zu setzen.

2001

GERBARIUM


Installation auf der Werkschau in Turku, Finnland

(Zuerst ausgestellt 1996 im Kehdinger Kunstverein)

 

 

2004

RADIO LORELEY


Seit etwa 3000 Jahren träumten die Schiffer auf dem Rhein, Handelsfahrer und Fischer davon, einmal als Kamm der Loreley durch ihr goldenes Haar zu streichen, was viele in den Stromschnellen zu Füßen ihres Felsens mit dem Leben bezahlten.

In hellen Mondnächten tauchen manchmal ganze Flotten ihrer Geister aus den Fluten des Rheins auf. Selten gelingt es einem, seinen alten Traum zu erfüllen und dadurch von seinem Wiedergängertum erlöst zu werden.

Wann die Lorelei ihren Felsen verließ, und später ein anderes Medium ihre Verführungskünste übernahm, ist nicht bekannt.

Der Sage nach verschwand sie, als ein Pfalzgraf sie arrestieren wollte, nachdem sein Sohn in den Stromschnellen am Fuße ihres Felsens ums Leben kam. Da weder der Name des Pfalzgrafen, noch der seines Sohnes überliefert wurden, kann der Zeitpunkt ihres Verschwindens nicht exakt bestimmt werden. Er dürfte im späten Mittelalter oder in der frühen Neuzeit liegen.

2004

RAPUNZEL


Warum ein Denkmal für Rapunzel?

1. Rapunzel ist ein Suchtopfer.
Ihre Mutter war während ihrer Schwangerschaft im Winter süchtig nach den (vitaminreichen) Blättern der Pflanze Rapunzel (in anderen Märchenfassungen ist es Petersilie), die im Garten ihrer Nachbarin Frau Gothel, einer Fee, wuchs. Mehrfach stahl ihr Mann für sie Rapunzel, wurde dabei ertappt und versprach in seiner Not die Leibesfrucht seiner Frau der Fee.

2. Rapunzel ist das Opfer einer konservativen gesellschaftlichen Ächtung.
Frau Gothel sperrte Rapunzel in einen Turm. Als Rapunzel nach Begegnungen mit einem Königssohn, der wie auch Frau Gothel den Turm an Rapunzels langen Haaren bestieg, schwanger wurde, schickte Frau Gothel sie in die Wüstenei.

3. Rapunzel hat ein Wunder getan.
Als der Prinz an Rapunzels abgeschnittenen Haaren den Turm erstieg, nicht ahnend, dass Frau Gothel Rapunzel bereits verbannt hatte und ihn selbst erwartete, stürzte er sich vom Turm. Dabei verlor er sein Augenlicht. Jahre irrte er im Wald umher bis er auf Rapunzel und ihre und seine Zwillinge traf. Ihre Tränen benetzten seine Augen und er ward wieder sehend.

Ein Rapunzel-Museum


Rapunzelturm

Allein durch die Anbringung eines Zopfes im Windenkasten am Giebel des alten Speichers in Freiburg wird dieser zu einem Denkmal für Rapunzel.

Ein Rapunzel-Museum in dem Speicher benötigt nur einen Raum von ca. 20 bis 30 Quadratmetern. In ihm sollen ausgestellt werden meine Rapunzel-Objekte: das sind das Turmmodell und die Reliquien von Rapunzel. Darüber hinaus soll er alle aufzutreibenden Rapunzelturm-Illustrationen aus Märchenbüchern enthalten (es müssen keine Originale sein) und die Texte der Fassung der Gebrüder Grimm und der früheren französischen und italienischen Fassungen (in deutscher Übersetzung) und die Deutungen und Anmerkungen aus einschlägigen Märchenlexika.

Das Museum benötigt wenig Raum und würde eine andere öffentliche Nutzung kaum beeinträchtigen, würde aber die Attraktivität des Speichers und Freiburgs besonders für den Tourismus erhöhen.

Ich würde mich als Leiter des Museums anbieten. Die Aufsicht müsste den Angestellten der öffentlichen Einrichtung unterstellt werden, z.B. den Angestellten einer Touristen-Informationsstelle, die ebenfallas im Speicher untergebracht werden könnte.

(Im Internet konnte ich kein Rapunzelmuseum finden. Es wäre das erste.)

2004

RUINENSTADT